Ein Einkäufer für Instandhaltungs- und Reparaturtechnik (MRO) bei einem koreanischen Hersteller von Verpackungsmaschinen hält 14 verschiedene Rollenkettengrößen in seinem Lager bereit. In den letzten drei Jahren führte zweimal ein scheinbar korrekter Kettenwechsel innerhalb von zwei Monaten zu vorzeitigem Kettenradverschleiß. Die Ursache war in beiden Fällen dieselbe: Eine Kette mit korrekter Teilung, aber falschem Rollendurchmesser, wurde auf Kettenrädern montiert, die für eine andere Norm gefertigt waren. Im ersten Fall handelte es sich um eine ANSI #40-Kette auf Kettenrädern nach ISO 08B – gleiche Teilung von 12,70 mm, unterschiedlicher Rollendurchmesser (7,92 mm gegenüber 7,94 mm bei kurzer Teilung nach BS und 8,51 mm bei Standardteilung nach BS). Im zweiten Fall wurde eine #2060-Kette mit doppelter Teilung auf #60-Kettenrädern mit Standardteilung montiert – auch hier gleicher Rollendurchmesser, aber die Kette mit 38,1 mm Teilung überspannte zwei Zahnfußpositionen auf einem Kettenrad, das für 19,05 mm Teilung ausgelegt war, und belastete somit nur jeden zweiten Zahn.
Dieser Leitfaden umfasst alle Standard-ANSI-Teilungsgrößen von #25 bis #240, die entsprechenden ISO-Äquivalente, die sie unterscheidenden Rollendurchmesser sowie die Maßangaben, die erforderlich sind, um eine Kette anhand physikalischer Messungen und nicht anhand von Etiketten korrekt zu identifizieren.
Wie ANSI-Kettennummern funktionieren – und wo das System versagt
Die ANSI-Kettennummer kodiert die Teilung auf einfache Weise: Die Zahl geteilt durch 8 ergibt die Teilung in Achtelzoll. ANSI #40 hat eine Teilung von 40/8 = 5/8 × 25,4 = … Moment, das funktioniert nicht: 40/8 = 5, und 5 Achtelzoll = 5 × 3,175 mm = 15,875 mm. ANSI #40 hat aber eine Teilung von 12,70 mm, nicht 15,875 mm. Die korrekte Regel ist, dass die führende(n) Ziffer(n) die Teilung in Achtelzoll angeben, wobei die Zahl vor der nachfolgenden Null (bei Ketten mit gerader Teilung) die Teilungsbezeichnung ist. Für #40: Die „4“ = 4/8 Zoll = 4 × 3,175 mm = 12,70 mm. Das ist richtig.
Die letzte Ziffer kodiert den Kettentyp: „0“ steht für Standard-Rollenketten; „1“ für leichte Ausführungen (reduzierte Plattenstärke); „5“ für eine Rollenkette mit halber Teilung (#35 ist eine 3/8-Zoll-Teilung – 3 × 3,175 mm = 9,525 mm). Die Kette #25 folgt derselben Regel: „2“ = 2/8 Zoll = 6,35 mm Teilung. Diese Kodierung ist für die Standardausführungen einheitlich, jedoch nicht für schwere Ausführungen (Suffix „H“), Doppelteilungen (Präfix „2xxx“) und Mehrstrangketten (Suffix für die Stranganzahl), die jeweils eigene Konventionen verwenden.
Simplex-, Duplex- und Triplex-Rollenketten – die Anzahl der Litzen ändert die Kettenradbreite, nicht aber das Teilungssystem.
Vollständige ANSI-Rollenketten-Maßreferenz – #25 bis #240
Alle Maße gemäß ANSI B29.1. Die Mindestbruchlasten sind die veröffentlichten Minimalwerte, keine Durchschnittswerte – die tatsächlichen Bruchlasten von Qualitätsherstellern übertreffen diese Werte typischerweise um 5–151 TP3T. Die Toleranz der inneren Gliederbreite beträgt +0,00 / −0,05 mm für Standardketten; die Toleranz des Rollendurchmessers beträgt ±0,025 mm. Diese Toleranzen definieren das zulässige Spiel zwischen der Kette und der Zahnfußgeometrie eines ANSI-Profil-Kettenrads.
| ANSI-Nr. | ISO-Äquivalent | Steigung (mm) | Walzendurchmesser (mm) | Innenbreite (mm) | Stiftdurchmesser (mm) | Plattenstärke (mm) | Mindestbruchlast (kN) | Gewicht (kg/m) |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| #25 | — | 6.350 | 3.30 | 3.18 | 2.31 | 0.76 | 3.6 | 0.10 |
| #35 | — | 9.525 | 5.08 | 4.78 | 3.58 | 1.27 | 7.8 | 0.22 |
| #40 | 08A | 12.700 | 7.92 | 7.85 | 3.97 | 1.52 | 14.1 | 0.37 |
| #41 | — | 12.700 | 6.35 | 6.25 | 3.66 | 1.27 | 7.9 | 0.26 |
| #50 | 10A | 15.875 | 10.16 | 9.53 | 5.09 | 2.03 | 22.2 | 0.59 |
| #60 | 12A | 19.050 | 11.91 | 12.57 | 5.96 | 2.39 | 31.8 | 0.84 |
| #80 | 16A | 25.400 | 15.88 | 15.75 | 7.94 | 3.18 | 56.7 | 1.58 |
| #100 | 20A | 31.750 | 19.05 | 18.90 | 9.54 | 3.96 | 88.5 | 2.46 |
| #120 | 24A | 38.100 | 22.23 | 25.22 | 11.11 | 4.78 | 127.0 | 3.56 |
| #140 | 28A | 44.450 | 25.40 | 25.22 | 12.71 | 5.56 | 172.4 | 4.75 |
| #160 | 32A | 50.800 | 28.58 | 31.55 | 14.29 | 6.35 | 226.8 | 6.43 |
| #180 | 36A | 57.150 | 35.71 | 35.48 | 17.46 | 7.94 | 288.2 | 8.20 |
| #200 | 40A | 63.500 | 39.68 | 37.85 | 19.85 | 9.53 | 400.3 | 11.20 |
| #240 | 48A | 76.200 | 47.63 | 47.63 | 23.81 | 12.70 | 508.0 | 16.50 |
† Die roten Werte in der Spalte „#40 Rollendurchmesser“ weisen auf eine Abweichung vom entsprechenden Wert nach BS/ISO 08A hin – die häufigste Ursache für Fehler bei der Normenkonvertierung in diesem Teilungsmaß. ISO 08A verwendet eine Rolle mit 7,94 mm Durchmesser; BS 08B verwendet eine Rolle mit 8,51 mm Durchmesser. Beide passen nicht korrekt in die Zahngeometrie des ANSI #40-Kettenrads.
ANSI vs. ISO vs. BS: Wo die Normen auseinanderlaufen und warum das wichtig ist
Der entscheidende Punkt der Abweichung zwischen ANSI und ISO ist der Rollendurchmesser bei kleinen Teilungen. Bei Kettengrößen ab #80 (16A) sind die Rollendurchmesser nach ANSI und ISO funktional identisch – die Ketten sind in der Praxis auf korrekt profilierten Kettenrädern austauschbar, obwohl sie technisch gesehen unterschiedlichen Normen entsprechen. Unterhalb von #80 sind die Unterschiede im Rollendurchmesser so groß, dass messbare Eingriffsfehler am Zahnfuß auftreten, wenn die falsche Kette auf ein korrekt profiliertes Kettenrad montiert wird.
| ANSI-Nr. | ISO-Äquivalent | Steigung (mm) | ANSI-Rollendurchmesser (mm) | ISO-Rollendurchmesser (mm) | BS-Rollendurchmesser (mm) | Austauschbar? |
|---|---|---|---|---|---|---|
| #35 | Keine ISO-Entsprechung. | 9.525 | 5.08 | N / A | N / A | nur ANSI |
| #40 | 08A (ISO/DIN) | 12.700 | 7.92 | 7.94 | 8.51 (08B) | Nicht empfehlenswert |
| #50 | 10A | 15.875 | 10.16 | 10.16 | 10.16 (10B) | Walze gleich – Breite unterschiedlich |
| #60 | 12A | 19.050 | 11.91 | 11.91 | 11.91 (12B) | Walze gleich – Breite unterschiedlich |
| #80 | 16A | 25.400 | 15.88 | 15.88 | 15.88 | Funktionell austauschbar |
| #100+ | 20A+ | 31.75+ | Alle drei Normen verwenden ab #100 den gleichen Rollendurchmesser. | Ja (Innenbreite prüfen) | ||
Double-Pitch- und Heavy-Serien: Wie sie sich von Standard-Serien unterscheiden

| Standard (ANSI) | Doppeltonhöhen-Äquivalent | Schwere Serie (H) | Rollendurchmesseränderung? | Kettenradkompatibilität | Primäre Anwendung |
|---|---|---|---|---|---|
| #40 | #2040 | #40H | Nein (gleiche Walze) | H: Standard-Ritzel #40. 2040: Spezielles Ritzel 2040. | H: Antriebe mit hoher Last. 2040: Langsames Förderband. |
| #60 | #2060 | #60H | Nein (gleiche Walze) | H: Standard-Ritzel #60. 2060: spezifisch oder Standard. | H: Schwerindustrie. 2060: Leichte Förderanlagen, Teilehandhabung. |
| #80 | #2080 | #80H | Nein (gleiche Walze) | H: Standard-#80-Ritzel. 2080: Spezielles 2080-Ritzel. | H: Stoßbelastungen. 2080: Getreideförderung, langsame Förderbänder. |
| #100 | #2100 | #100H | Nein (gleiche Walze) | H: Standard-Ritzel #100. 2100: Spezielles Ritzel 2100. | H: Schwerer Bergbau/Industrie. 2100: Schüttgutförderanlage. |
Identifizierung von Rollenketten anhand dreier physikalischer Messgrößen
Sind die Markierungen abgenutzt oder die Originaldokumentation verloren gegangen, lassen sich die einzelnen Serien in nahezu allen Fällen anhand von drei Messwerten der Kette eindeutig identifizieren. Nehmen Sie jede Messung mit einem kalibrierten Messschieber oder einem digitalen Mikrometer vor; Messungen mit Maßband oder Lineal sind hierfür nicht präzise genug.
Messen Sie den Abstand zwischen den Bolzenmitten über genau 10 Glieder (Bolzen 1 bis Bolzen 11). Teilen Sie diesen Wert durch 10. Dadurch wird der Verschleiß einzelner Gelenke ausgeglichen und eine genauere Nennsteigung als bei der Messung eines einzelnen Gliedes ermittelt. Eine verschlissene Kette mit einer Länge von 128,5 mm über 10 Glieder ergibt eine Teilung von 12,85 mm pro Glied – entsprechend einer verschlissenen #40-Kette (Nennweite 12,70 mm plus ca. 1,21 TP3T-Dehnung).
Messen Sie den Außendurchmesser der Zylinderrolle (nicht der Buchse). Nehmen Sie mehrere Messungen an verschiedenen Rollen vor – die Abweichung zeigt an, ob die Kette ungewöhnlichen Verschleiß aufweist. Diese Messung ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal zwischen ANSI und ISO bei gleicher Teilung. Bei einer Teilung von 12,70 mm: 7,92 mm = ANSI #40; 7,94 mm = ISO 08A; 8,51 mm = BS 08B.
Messen Sie den lichten Abstand zwischen den beiden inneren Gliederplatten. Dies bestätigt die korrekte Kettenradbreite und unterscheidet Kettenvarianten mit gleicher Teilung und gleichem Rollendurchmesser. Außerdem lässt sich feststellen, ob es sich um eine Simplex-, Duplex- oder Triplexkette handelt – die Messung gibt die Breite des Litzenabstands an, nicht die Gesamtbreite der Kette.
Kettenteilung an Anwendung anpassen: Ein praktischer Überblick
#25 und #35 (Miniaturantriebe). Diese Teilungen finden sich in Präzisionsinstrumenten, kleinen Förderband-Indexantrieben und Automatisierungsanlagen mit beengten Platzverhältnissen und geringen Belastungen. Eine #25-Kette mit über 3000 U/min ist eine geeignete Konfiguration für kleine servogekoppelte Antriebe. Die Kettenräder dieser Größen erfordern eine sorgfältige Spezifikation der Zahnhärte, da der geringe Verschleiß aufgrund der geringen Abmessungen schnell sichtbar wird – einsatzgehärtete Miniaturkettenräder sind erhältlich. Standardbohrungs-Kettenradbereich bis hinunter zu 9 Zähnen bei einer Teilung von #35.
#40 und #50 (leichte bis mittlere Industrie). Die gängigsten Teilungen für Verpackungs-, Pharma- und Lebensmittelverarbeitungsmaschinen. In diesem Bereich treten am häufigsten Fehler bei der Verwechslung von ANSI- und ISO-Normen auf, weshalb die Überprüfung des Walzendurchmessers vor der Bestellung besonders wichtig ist. #40 ist die Standardteilung für die meisten Antriebe koreanischer Sä- und Pflanzmaschinen – insbesondere für Reihenabstandsverstellmechanismen, bei denen eine präzise Positionierung bei geringer Last erforderlich ist.
#60 und #80 (mittelindustriell). Standard für die meisten industriellen Antriebe – Förderband-, Pumpen-, Lüfter- und Mischerantriebe. Die Kette #60 deckt den Großteil der Antriebe mit Motorleistungen von 3,7 kW bis 22 kW bei üblichen Industriedrehzahlen ab. Die Kette #80 deckt den Bereich von 11 bis 55 kW ab. Bei diesen Teilungen ist die Kette robust genug, um geringfügige Fluchtungsfehler und unvollkommene Schmierung zu tolerieren. Dies ist einer der Gründe für ihre weite Verbreitung. ANSI- und ISO-Rollenketten in den Ausführungen #60 und #80 sind im koreanischen Lagerbestand vorrätig und können noch in derselben Woche geliefert werden.
#100 bis #240 (Schwerindustrie). Diese Ketten werden in Antrieben eingesetzt, bei denen der Kraftübertragungsbedarf die praktisch realisierbaren Anforderungen bei kleineren Teilungen ohne Mehrstrangbetrieb übersteigt. Bei diesen Teilungen spielen Kettengewicht und -trägheit eine entscheidende Rolle – eine #240-Kette wiegt 16,5 kg/m, und in einem Antrieb mit 3 Metern Kette pro Seite rotieren über 100 kg Kette im System. Die Massenträgheit der Kette selbst trägt bei diesen Teilungen messbar zum Anlaufdrehmoment des Motors bei.

Häufig gestellte Fragen
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